Integration

Be a Pro!

Definition von Professionalität: Handeln mit dem Wissen um die Konsequenzen.

Es bleibt nichts übrig – alle Motivationen und „Werte“ lassen sich erklären und zurückverfolgen. Wenn man ein gutes Gedächtnis hat, dann sieht man auch noch die Person, die Situation oder das Medium, welches einen konditioniert hat. Es gibt Zeitgenossen, die glauben, diese Prägungen hätten eine Bedeutung an sich und man sollte sie „anerkennen“, sprich daran glauben, daß sie ehern und unumstößlich sind, daß sie deinen Charakter ausmachen – dein Leben begründen.

Dabei ist die umgekehrte Herangehensweise die Richtige; alle Illusionen abstreifen und die wahre Rohmasse der Existzenz erblicken: Der Moosbefall dieses Planeten. Ein hochmobiler Schleim, der sich in jeder Ritze, jeder noch so kleinen Lücke, in jeder Klimazone festsetzt und ohne Rücksicht auf sein Habitat vermehrt. Ein lustgesteuerter, aggressiver Dreckspatz mit der Unfähigkeit sein Verhalten perspektivisch zu reflektieren. Hauptsache Sitzheizung im SUV. Das sind wir. Jeder Einzelne. Ohne Ausnahme. Es gibt nur graduelle Unterschiede, Bildung und Kontostand geschuldet. Aber vielleicht gäbe es auch Lager voller Menschen, eingepfercht auf kleinstem Raum, in denen Sie gemästet würden, um dann als zarte Kleinkinder dem Schlachter zugeführt zu werden, wenn die Evolution eine andere fleischfressende Art begünstigt hätte. Es geht mir nicht um Schuld, sondern um Klarsicht.

Wenn wir ehrlich auf uns blickten und uns dann unseres Verstandes und der bekannten Fakten bedienten, dann könnten wir uns für unser Finale noch ein wenig zurücknehmen und wären wenigstens in der Lage, in unserem Untergang, in unserer Apokalypse (die Zombies sind ja schon lange da, schau in den Spiegel), einander tröstend die Hände zu halten. Wir könnten ruhig und würdevoll den letzten Vorhang fallen lassen.

Lügnweltn

Nahezu immer vollends der Wahrheit verpflichtet. Meistens. Offenheit und Transparenz nicht als Floskel verstehen, sondern danach leben und seine Geschäftsprozesse ausrichten. Brief an die Aktionäre. Sich selbst ins Gesicht sehen können, Aug in Aug mit dem geschätzten Spiegelbild, immer eine reine Weste, ruhiges Gewissen, intakte Ohrläppchen. Tagein, tagaus, freundlich zu Mitmensch, Kind und Tier und vernünftig; nie alleine das ganze Eis aufessen, immer teilen. Nie aus der Rolle fallen, besonders beruflich toujour akurat, den Lastern mit Maßhalten begegnen, günstige Gelegenheiten und einmalige Offerten ausschlagen, da integer sein höherwertig ist. Jeder Obdachlose in der S-Bahn, der mit „Einen schönen guten Tag, ich bin der Dings und seit kurzem leider obdachlos…“ beginnt, bekommt ein bißchen Geld oder wenigstens eine Banane und wird nie als nervend empfunden. Genauso wie die rumänischen Musiker, die mit einem an einen mobilen Lautsprecher angeschlossenen MiniDisc Player und variabler Instrumentierung und Gesang erfreuen wollen. Immer alles nur Bio und nur direkt vom Bauern. Jede Kurzstrecke korrekt abgerechnet. „Bitte!“, „Danke! „,“ Guten Tag!, „Auf Wiedersehen!“. Anti-Ego Übungen; man hat ja gesehen wohin Unsportlichkeit führt. Jedes Graffiti und jedes Tag als Ausdruck urbaner Kultur würdigen. Die offen zur Schau gestellte Konsumorientierung junger Menschen als gesunden Beitrag zur Ankurbelung des Binnenmarktes werten und überquellende Mülleimer konsequent akzeptieren. Schafft ja auch Arbeitsplätze. Sich ehrlich daran freuen, daß man so viele Facebookfreunde hat. Like! Poke! Schließlich lachen ja auch immer alle über meine Gifs und empfinden ehrliche Anteilnahme bei meinen persönlichen Posts. Ganz zu schweigen von der Familie, denn schließlich ist Blut dicker als Wasser. Und am Ende des Lebens beruhigt die Augen schließen, denn Gott wird mich ja in seinem Paradies empfangen, weil ich immer so aufrichtig bin.