Fake News sind halt irgendwie geiler …

Man geht an Kiosk vorbei und denkt "Fake News sind halt irgendwie geiler ..."[facebook-page-plugin]

Soll es denn verderben?

In Zeiten wie diesen gibt es halt nicht immer Fleisch. Heute schon. Sie dreht den Teller ein wenig, zieht den Vorhang vor der Balkontüre zur Seite, damit mehr Licht reinkommt und setzt sich. Der Duft, von in ein wenig Honig angebratenen Zwiebelringen, verbindet sich harmonisch mit dem des Kartoffelpüree. Sie bewegt das Besteck langsam und denkt an vergangene Feiertage, die sie mit ihrem Mann und den Kindern verbracht hat. Jetzt hat sie nur noch die Katze. Braves Tier. Mit dem Messer löst sie sich mundgerechte Stücke vom geschmorten Fleisch, um sie mit geschlossenen Augen zu genießen. Nicht mit den Fingern essen und nicht die Knochen ablecken; dass hat ihr Mann immer gemacht und sie fand es widerlich. “Aber sich das Essen von der Straße auflesen, ist nicht widerlich, oder wie?”, fährt ihr Mann sie an. “Das mußt du gerade sagen, Heinrich.”. Heinrich geht ein wenig vom Gas. Vor ihnen, im Licht der Autoscheinwerfer, in den Kegeln, die Löcher in die Dunkelheit schneiden, liegt etwas auf der Straße. Der Wagen kommt zum Stehen, die Warnblinkanlage wirft im Takt noch ein bisschen Orange auf den Feldweg und sie richtet sich das Kopftuch, während die Kinder auf dem Rücksitz schlafen. VW-Käfer. Warnblink-klick-klack. Im Autoradio singt Freddy Quinn vom Meer. Der Mann steigt aus, geht zu dem Etwas und beäugt es kurz, nur um es ein paar Minuten später handschuhbewehrt in den Kofferraum zu hieven. “Soll es denn verderben?”.
Sie steht auf, bringt Teller und Besteck in die Küche und wäscht es unter fließendem Wasser ab. Der Hase, den er im Keller aufgehangen hatte, hat so fürchterlich gestunken, dass sie sich weigerte, davon später zu essen. Heinrich und sein beklopptes ‘Hautgout’. Während sie abtrocknet, fällt ihr das Pfund Kaffee ein, das der polnische Pfarrer in der Adventszeit bei ihr vorbei gebracht hatte, zusammen mit einer wärmenden Decke und Klosterfrau Melissengeist. Jetzt wäre es doch nett ein Tässchen davon zu sich zu nehmen. “Möchtest du auch eine Tasse?”, aber Heinrich schaut sich nur wieder seine gerahmte Todesanzeige an. “Plötzlich und unerwartet wollte ich nie sterben. Einfach so umfallen, mitten in der Stadt, wo alle Leute zuschauen. Ich wollte immer im Bett liegen und alle sind da um sich zu verabschieden. Und ich wollte in den letzten Minuten mit dir Händchen halten.” Mit der Tasse in der Hand geht sie an’s Fenster und schaut auf das kleine Stückchen Rasen zwischen den Wohnblöcken. Die Katze liegt in der Sonne. Das Kaninchen lag am Straßenrand, direkt vor der Haustüre und sie hat es sich schnell in die Plastiktüte gesteckt, die sie immer in ihrer Handtasche mit sich führt. Hier in der Stadt gibt es keine Hasen. Es war fast unversehrt, nur ein kleiner Riss war zu sehen, unter welchem das rosige Fleisch hervorblitzte. “Ich schau mir gerne die Eichhörnchen an. Eichhörnchen sind so putzige kleine Tiere. Sie klettern in den Bäumen hin und her und jagen sich. Das macht mir immer Freude beim Zusehen, Heinrich.” Aber Heinrich sagt nichts. Langsam wird es dunkel und sie macht sich die Stehlampe mit dem großen gelben Schirm an. Sie setzt sich und liest in ihrem Buch. Sie weiß, daß er bei ihr bleiben wird, bis sie im Sessel eingeschlafen ist. Und morgen gibt es Steckrübeneintopf.