Energiebilanz

Gestern eine geraume Zeit damit verbracht, die Smartphones zu testen, die ich für die Aufnahme benutzen möchte. Dabei hatte ich zwei Erkenntnisse:

  1. Die eingebaute Kamera-app nimmt nur bis 10 Minuten auf. Gut, daß ich es mal ausprobiert habe. Abhilfe kommt aus dem Playstore und heißt ‚Open-Camera‘ und ist eine sehr gute Alternative. Mir hat sie bei dem Aufnahmezeitbegrenzungsproblem weitergeholfen und so habe ich auch direkt ein paar Taler an den Entwickler gesandt. Das ist freiwillig, aber hinterlässt ein gutes Gefühl.
  2. Der Akku entlädt sich in nahezu atemberaubender Weise. Da ich mal von ungefähr einer Stunde Aufnahme ausgehe, wird es unumgänglich sein, die ein oder andere Powerbank mit sich zu führen. Und ein Ladegerät. Und eine ‚traditionelle‘ Videokamera. Man weiß ja nie.

Wahrscheinlich werde ich auch wertvolle Erfahrung zum Thema Licht in Innenräumen machen können. Das ist dann aber ein Thema für die Nachbetrachtung.

 

nacht.txt

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Prankenhiebe von allen Seiten, besonders ins Entscheidungszentrum. Seitenhiebe auf die Prankenliebe. Jegliche Rückschau ist gemachte Erinnerung. Die Verbindungsglieder brauchen Vitamin D, sind brüchig, splittern – alles ohne Demenz. Um wieviel mehr, wenn es altert und es denkt, es sei noch im Vollbesitz. Einatmen, Ausatmen, ruhig. Aufmakken, Zumakken, der Sohn übernahm die Praxis, vielleicht auch diese Praxis. Ist „es“ die richtige Methode um Abstand zu gewinnen? Waten im Rückblick abenteuerlicher Erinnerungen, damals traumatisch, aber nun im Rückblick sanft. Gefängnisinseln und SS-Kasernen, Vogel friß oder stirb. Insgeheim Besuch samtweicher Haut, kleine Brüste, aber ehrfurchtgebietend, begehrenswert – Liebeslustversagen, nicht ob fehlender Potenz (reichlich vorhanden, immernoch!), sondern wegen Andacht, Unfassbarkeit, Gottgleichheit; unverhoffter Zugriff im Bett des Freundes. Klassik bis zum Morgengrauen, seh die Sonne als Mann. Vertane Chancen, ergriffene Gelegenheit. Weiter im Strom, Lebenssaftigkeiten; Steigerung der Illusion – überhaupt ist Illusion jetzt mein Lieblingswort. Aber. Nur. Jetzt. In Berlin, in Berlin. Später dann: ein Wiedersehen. Unmittelbare hoffnungslose Verehrungsfortsetzung, mittlerweile nur noch mit Vorstellungen vom Tod zu ertragen. Thema abgehakt, neues Erinnern, Wahlfreiheit, kramen im Unrühmlichen, Sinnen, Finger an der Nasenscheidewand, Blutkuppe – seit zwei oder drei oder vier Wochen, während der Magen revoltiert. Das ist keine fucking Lyrik, das ist mein Leben und weil ich nun flach liege, muß der Bleistift ran. Penetration ist einfach nicht. Mein Ding. Das Bett als Ort der Träume, der nicht gelebten, der vorgestellten Realität. Eine von vielen. Genauso, wie Du dir dein Leben vorstellst – wovor? Es gab auch Zeiten, da habe ich die Verkrüppelten geführt, wie einen Blinden an der Schulter – falsche Busse und schräge Blicke inklusive. Jetzt jedoch rede ich zu Dir – aus der Tiefe meiner Seele schreie ich um Hilfe, vergiß mich nicht, laß mich nicht alleine im Dunklen zurück, gedenke meiner, stell‘ eine Kerze auf in Sankt Blasien, bete zu deinem Gott oder deinen Göttern. Brandopfer. Klatschen in die Hände, Verneigung. Vielleicht sollte ich Bepanthen in die Nase drücken; jetzt nur eine Tamponage aus einem Tempo. Die Wunde schließt sich, es bleibt nur Schleim übrig – wie am jüngsten Tag. Wabelnde Glibbergeleeanortung. Kein Trinkwasserschutzgebiet. Viele Kreuze, damals kamen die Staatsgäste und ich konnte es vom Wohnzimmer aus sehen. Jetzt bin ich nichts, damals das Zentrum. Draußen laufen junge Stimmen, leise, laut, leise. Ich spreche nicht durch diese Personen; ich liebe dich, spucke es in dein Gesicht und lasse lange Fäden auf dein Geschlechtsteil tropfen. Spürst du es? Wir sehen uns gemeinsam steinige Strände an. Wahrscheinlich Frankreich, aber es könnte auch der Saint Michaels Mount sein. Rostige Seewassertruhen ruhen auf braunen Rädern; Wirtschaftsgerippe und die Flaneure flanieren vorbei – lächelnd. In meinen Gedanken dauert der erste Kuß an, immer wieder. Also ist es doch eine Liebesgeschichte, sagst du, und ich schlage es Dir aus dem Kopf. Die Nacht naht, ich vergesse Wörter, greife ins Leere, ziehe mir die Decke über den Kopf. Wenn ich mitten in der Nacht. Sechs Jahre, blaues Licht und immer. Neulich jedoch, sind die Gebäude aufs Normalmaß geschrumpft.

Es ist Donnerstag, irgendwann abends.

Aus den Lautsprechern ertönt Musik, der Algorithmus hat für mich aus einer großen Datensammlung sich vermeintlich gleichende Stücke ausgewählt, um mir meine Zeit zu vertreiben. Während ich auf der Tastatur des mittlerweile veraltetem tragbaren Computers schreibe, atmen mit mir acht Milliarden Menschen ein und aus. Das Supermarktsortiment ist intakt, ich habe es vor kurzem noch überprüft. Kleidung umhüllt meinen Körper, mein Bauch ist gefüllt mit hochwertiger, nährstoffreicher, nicht toxischer Nahrung. Keiner muss etwas essen, daß ihm nicht schmeckt. Langsam wird es draußen dunkel und künstliches Licht erhellt die Umgebung in der ich mich befinde. Es liegt immer Strom an in den Steckdosen, ich brauche nur einen Verbraucher einzustecken und er verbraucht Energie. Brauchbar. Rings um mich herum Mobilität. Mit meiner Kreditkarte könnte ich mir jetzt eine Taxifahrt zum Flughafen kaufen, dort ein Flugticket irgendwohin und ich wäre in einer gegebenen Zeit woanders auf diesem Planeten. Kein Traum, sondern Realität. Ich kann jetzt auch eine Suche im Internet anstoßen über Menschen, die auf und von Müllhalden leben. Ungefähr 59.900 Ergebnisse (0,26 Sekunden). Heute abend werde ich wieder in einem Bett schlafen und in mein Kopfkissen sabbern. Wahrscheinlich werde ich morgen nicht in einer Diktatur aufwachen oder vor einem Bürgerkrieg flüchten müssen. Wenn ich jetzt sterben würde, sagen wir mal an einem Herzinfarkt, würde die Musik sehr lange weiterspielen, während sich mein Körper langsam zersetzt. Doch bis dahin vertreiben wir uns noch ein wenig die Zeit und hoffen; die einen mehr, die anderen weniger. Ich schreibe und zeichne. Und es interessiert mich nicht, was Sie so machen, während Sie auf den Tod warten.

Manchmal wirst du vom Licht wach

Wach vom Licht