Fort Lauderdale reloaded



religion.txt

#religion.txt
Eigentlich wollte ich einen lustigen Comic zum Thema ‚Religion‘ machen, aber das wird dem Ernst der Sache nicht gerecht.

#Religion

Religion ist eine Verwirrung des Geistes, eine Kapitulation des Verstandes vor den Kräften der intellektuellen Sedierung. Der Akt des Glaubens allein ist eines denkenden Wesens nicht würdig.
Religion ist ein Vehikel des Frauenhasses und der Bevormundung der Hälfte der Menschheit. Religion spricht Frauen das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ab. Keinerlei „Errungenschaft“ der Religion rechtfertigt eine Zugehörigkeit zur selben.
Religion bekämpft Andersdenkende mit Gewalt und erlaubt gewalttätige Handlungen.
Im Namen der Religion und durch ihre Führer ermutigt, wurden Kriege geführt, Völkermord begangen, Sklaverei geduldet, Unterdrückung rechtfertigt und Gier gutgeheißen.
Religion erklärt alle Menschen, die nicht heterosexuell sind, zu „Kranken“, respektiert nicht deren Andersartigkeit.
Religion rekrutiert neue Mitglieder aus den Reihen der Kinder, lange bevor sie vielleicht imstande wären, eine kritische Haltung zu entwickeln. Kinder werden im Namen oder unter dem Deckmantel der Religion physisch und psychisch mißbraucht. Mädchen werden minderjährig und gegen ihren Willen verheiratet.
Menschen, die einer Religion angehören, verneinen den Zweifel zugunsten des Glaubens. Damit verunmöglichen sie eine Entwicklung des Geistes und des Charakters.
Religion erzeugt den Eindruck, daß es ein allwissendes und alles sehendes Wesen gibt; totale Überwachung des gesamten Lebens zu jeder Zeit. Angst und Schuldgefühle sind von daher unvermeidlich, weil niemals alle Regeln und Gebote umfassend und immerwährend eingehalten werden können.
Religion betrachtet bedrucktes Papier, Gebäck und Wein als heilig. Gewöhnliche Menschen werden zu heiligen Institutionen gemacht, die verbindliche Lebensregeln verfassen und durchsetzen, die bis in das Intimleben reichen. Nichteinhaltung wird als Sünde gebrandmarkt.
Religion verlangt, daß Menschen für sie in den Tod gehen.
Religion benutzt absurde Geschichten, die man in einem anderen Kontext sofort als Märchen bezeichnen würde, um sogenannte Wunder zu belegen, die geglaubt werden müssen.
Religion leugnet den Holocaust.
Religion ist chauvinistisch.
Religiöse Hierarchien ahmen vor-neuzeitliche, aristokratische Strukturen nach.
Sobald Religion Macht zugesprochen wird, wird sie diese umgehend zur Kontrolle von Menschen und zur ideologischen Indoktrination verwenden.
Religion gaukelt ein „Leben nach dem Tod“ und ein „Paradies“ vor und bringt Menschen somit dazu, ihr unwiederbringliches und einzigartiges Leben einer hohlen Lehre unterzuordnen und dadurch nicht voll zur Entfaltung zu bringen.
Öffentlich auftretende Vertreter von Religion sollten verlacht werden.
Besitz der Religionen sollte konfisziert, zu Geld gemacht und dieses sozialen Zwecken zur Verfügung gestellt werden. Religion erst ab 18. Keine staatliche Unterstützung für Religionen. Religion nur noch in der Privatspäre.

Der Zustand der Welt

Der Dampfer wühlt sich durch die Wellen, Seegang, nicht mehr so ruhig, wie die letzten Tage noch. In unserer 2te Klasse Kabine ziehen wir die Vorhänge zu und lassen die Welt draußen. Eigentlich sollte ich nachdenken, projektieren, mir die Zukunft zu eigen machen, alternativ der Abendgesellschaft beiwohnen, aber stattdessen schreibe ich. Verarmter ungarischer Landadel, die Habseligkeiten inklusive der Schreibmaschine, große Koffer, die Träger bekommen ein stattliches Trinkgeld. Stanze die Buchstaben in das Papier, manchmal verhaken sich die Typen; dann nehme ich einen Schluck Cognac und übe mich in Geduld. Währenddessen räkelt sich die Dame im Bett, verlangt nach der Schiffszeitung und einer Prise Kokain, um den Tag frisch zu beginnen. Der Obermaschinist ist der Mann des Tages, hat er doch das Hündchen des Filmstars wiedergefunden, welches seit ein paar Tagen als verschollen galt. Bei den Heizern, schwarz von Kohle. Morgen leichte Brise aus Süd-West. Ansonsten sonnig. Tontaubenschießen auf dem hinteren Deck. Negermusik dringt zu uns herein. Vielleicht lasse ich den Steward rufen, damit er mir den Smoking aufbügeln lässt und ich schwinge doch noch das Tanzbein. Unter uns regiert die Schattenarmee, füttert alles brennbare in den Bauch des Antriebes, lässt uns fliegen. Rings um uns herum nur die Weite des Ozeans, die Bezugspunkte, falls vorhanden, künstlich. Über uns das kalte Weltenall, Sterne, Gasplaneten. Das einzige, was zählt, ist die Langlebigkeit des Farbbandes, der ausreichende Ersatz für selbiges und der stetige Nachschub an weißem Papier. Frage mich, wo die auf dieser Reise Verstorbenen vor uns versteckt werden. Vielleicht in Kühlkammern, in denen normalerweise Kaviar und Champagner vorgehalten wird? Jeden Tag verschwinden Personen und werden durch andere, scheinbar neue Gesichter ersetzt. Kommen die aus den unteren Ebenen? Vermeine Hühner aus der dritten Klasse gackern zu hören, welche den dortigen Reisenden als Nutztiere dienen. Die Aufenthaltsräume dieser Menschen liegen unter dem Meeresspiegel und haben demzufolge keine Bullaugen. Die Vanderbilts haben eine Suite mit Balkon, den sie niemals nutzen. Hoffentlich kommen keine feindlichen Unterseeboote und fressen unsere Bruttoregistertonnen. Manchmal singt eine alte Frau, die von sich behauptet, Opernsängerin gewesen zu sein, laut und falsch Arien während des Captains-Dinner. Wale könnten das falsch verstehen und versuchen sich mit unserem Schiff zu paaren. Das wäre besser als Torpedobeschuß, aber immernoch unerquicklich, denn das Wasser hier scheint nicht tropisch zu sein. Die Frau möchte sich vergnügen, Perlenkette, Federboa, lange weiße Handschuhe, keine Unterwäsche. Vielleicht kann ich sie einem schneidigen Marineoffizier in Uniform anvertrauen, mich entschuldigen und dann hier unten weiterschreiben. Der Cognac ist bald leer, aber ich bin guter Dinge, die Wellen schlagen leise an die Schiffswand und von Zeit zu Zeit hört man andere Passagiere über den Flur laufen. Gegen 4:13 überfliegt ein Aufklärungsflugzeug unseren Dampfer, die Vierlingsflak antwortet bescheiden. Ich ignoriere den Krach und spiele auf der Tastatur: „Kinder in Rettungswesten stehen weinend auf dem oberen Deck.“