Der purpurne Mülleimer – Anoraks erster Fall – Teil 1

Wenn der Stuhl weiß ist, dann ist das nicht gut, fast so schlecht, als wenn man ihn erbricht, dachte Anorak. Dann schaute er in die Schüßel, nickte zufrieden und spülte. Trat aus der Kabine, schloß die Tür und zog seine Hose hoch. Der Mann, der am Eingang saß, direkt neben dem Unterteller mit den Münzen, kam auf ihn zugeeilt. „Bitte Monsieur, kommen sie hier entlang.“ und er führte Anorak zu den Handwaschbecken. Hier drehte er das Wasser auf, prüfte die Temperatur, nahm Anoraks Hände und befeuchtete sie von allen Seiten; zwischen den Fingern auch. Auch die Fingernägel . Nun griff der Hygienewart zur Seife, lies sie zwischen seinen mittlerweile ebenso nassen Fingern schäumen, legte die Seife zurück in die goldene Schale, die von zwei Drachenköpfen an der Wand gehalten wurde und verteilte den Schaum auf Anoraks Händen. Wieder wurden die Fingernägel nicht vergessen. Vorsichtig führte er die Hände tiefer ins Handwaschbecken und unter den Wasserstrahl. Die Seife wurde abgespühlt und der Hygienewart sorgte dafür, daß nirgendwo ein Rest übrig blieb. Nicht der Kleinste. Dieser Vorgang wurde wiederholt. Dann legte der Wart die Hände des Kunden vorsichtig am Beckenrand ab und beeilte sich, ein weiches, nach Muskat und Zitrone duftendes Handtuch, aus dem unter dem Becken befindlichen Schrank hervorzuholen. Anorak spürte die angenehme Wärme des Handtuchs, als der Hygienewart gewissenhaft der Trocknung der Hände nachging. Jetzt trug er die Handcreme auf die Innen- und Außenseite von Anoraks linker Hand auf, dann nahm er die Hand zwischen die Seinen und streichelte sanft über Anoraks Haut, fing an die Creme überall vorsichtig zu verteilen, einzumassierten. Dann die Wiederholung für die rechte Hand. Jetzt war der Vorgang abgeschlossen. Anorak dankte und verließ die Toilette des Restaurants.
Nun beim Ausgang, der Kellner half ihm in den Mantel und gab ihm Hut und Stock. Dann verabschiedete sich Anorak, indem er eine tiefe Verbeugung in Richtung Restaurant vollführte, drehte sich um, die Türe wurde ihm geöffnet und er ging hinaus auf die Straße. „Was hast du gegessen?“ „Ich bin mir nicht sicher. Es war wohlschmeckend, ein bisschen bitter. Dann verwandelte sich der Geschmack und es wurde sehr süß.“ „Interessant. Was sagte der Kellner dazu?“ „Er war untröstlich und wollte mir eine neue Speise bereiten lassen, aber ich habe abgelehnt.“ Anorak und seine Begleitung bogen nun in eine andere Straße ein; sie war dunkel und flüsterte freundliche Worte, so daß Menschen immer tiefer in sie hineingingen und nie mehr zurückkehrten. Aber Anorak kannte sich aus und sagte mit fester Stimme zur Straße „Hier kommt Anorak, der Beauftragte des Ministeriums für Wasserangelegenheiten, mitsamt Begleitung! Wage es nicht, uns süße Phrasen um die Ohren zu hauen. Wir kennen deine Lust auf unachtsame Spaziergänger.“ Ein Grunzen und Gurgeln, ein Reiben und Schleifen, dann bog sich der Asphalt im Licht des Silbermondes und die Straße antwortete: „Ich kenne dich Anorak! Ich war schon einmal so unvorsichtig und habe vor deinen Augen eine kleine Katze geteert. Daraufhin hast du mir Parkuhren in den Pelz rammen lassen. Jetzt will ich mich brav an deine Worte halten und hoffe auf deine Milde.“ Mit den letzten Worten bildeten sich kleine, kleinste Wellen und schlugen an die umgebenden Häuserwände. Irgendwo hier stand Anoraks Auto. Er öffnete die Türen und sie stiegen ein. Die Fahrt ging einige Stunden und schon bald sollte der Morgen grauen und die Sonne würde ihr blaues Licht über die Landschaft ergießen, die Pflanzen und die Menschen würden aufwachen und sich wieder gegenseitig den Platz in der Schöpfung streitig machen. Rechtzeitig kamen sie an einen Parkplatz, direkt oberhalb des Meeres, eine Steilküste, Schiffe tauchten auf und unter, Anorak schaltete den Motor aus und sie betrachteten das Funkeln auf dem Wasser, Reflexionen hervorgerufen durch die toten Körper vieler tausender Seeleute, die sich nun langsam auflösten und deren Verwesungsgase lustige Blasen aufsteigen ließen. Wie Luftballons auf der Kirmes, wenn der Luftballonverkäufer erschlagen daniederlag, die Hand im Tode entspannt.
Anorak war ein erfahrener Ermittler. Der Mann, dem das Ministerium blind vertraute. Er wußte, daß ein schwieriger Fall vor ihm lag, obwohl noch niemand an ihn herangetreten war und er eigentlich offiziell in Urlaub. Lange blickte er auf die Szenerie, rauchte ein paar Zigaretten und fummelte an der Unterwäsche seiner Begleitung rum. „Wollen wir uns ein paar belegte Brote besorgen, Anorak? Du hast mir ja nichts abgegeben im Restaurant und so langsam könnte ich einen Happen vertragen.“ Alles konnte der Beauftragte des Ministeriums für Wasserangelegenheiten tolerieren, nur kein Inzweifelziehen seiner Großzügigkeit. Er stieg aus, ging um sein Gefährt herum, öffnete die Beifahrertür und half seiner Begleitung aus dem Sitz, der eigens für dieses Fahrzeug aus der Haut von drei Mammutkühen gefertigt worden war. „Schau, all dies hätte dein sein können,“ und machte dabei eine raumgreifende Geste über den Parkplatz hinweg, „aber jetzt beklagst du dich und verlangst nach Sandwiches. Das macht dich unberechenbar und wir können so unmöglich ein Paar bleiben.“ „Obwohl ich dich erst ein paar Stunden kenne, hatte ich das schon erwartet, Anorak. Deswegen habe ich meine großen Brüder heimlich angerufen, sie werden bald hier sein und dich einschüchtern.“ Das reichte Anorak, er griff zu, schleuderte die Person über die Leitplanke. Tief fiel der Körper, tiefer, noch tiefer, schlug auf, zersprang, die Fetzen wurden sofort dankend von ein paar Amphibien gegessen, die dann selbst wiederum von einem großen Kraken vertilgt wurden. Dann versank der Kraken wieder im Meer und nichts deutete auf diesen Mord hin, vielleicht nur ein paar Blutflecke, die man aber von hier oben nicht sehen konnte.

Aus der Ferne hörte man das Heranrauschen der motorradfahrenden großen Brüder und Anorak war klar, daß es ein sehr komplizierter Fall werden würde. Wie sollte er sich überführen?

Der Mohr

Wer die Entbehrlichkeit an der Wange entlangfahren spürt, Stahlbürste auf Babypopo, Schockschwerenot!, Sacra Himmelhilf, wem die Zeichen gedeutet werden, siehe – und die gespielte Freundlichkeit wandelte sich vor ihren Augen in liebliche Offenbarungen machtausübender Instanz – dem ist zum Schlucken zumute, der reckt sein Haupt zum Licht, bittend, flehend, hört dabei seine Knochen knacken und sieht dann das einladende Fenster. Dann will es wieder keiner gewesen sein, man hält den obligatorischen Trauerabstand von 14 Tagen, danach stehen alle wieder auf, nicht von den Toten, sondern umgekehrt. Es hat nicht mich getroffen, Kelche rennen vorbei und ein Seufzer der Erleichterung hallt durch die Kaffeeküche. Doch ich gönne euch dieses Gefühl nicht, sollt leiden, jammern und auf ein Wunder hoffen, wie ich auch, ein Upgrade, eine Befreiung zum Handelnden, jemandem, der die Angebote im Supermarktprospekt überlesen kann. Ein freier, kreativer, selbstverantwortlicher, besserer Mensch; zu dumm nur, daß er dem gleichen Prospekt entstiegen ist wie die Leberwurst, welche lecker präsentiert zum Genuss einlädt.