72—xx.txt

72—xx.txt

Der Sinnlack in dünnen Schichten, über einem universellen, wahrhaftigen Kern. Er würde seinen netten Nachbarn erschlagen, wenn es um die letzte Dose Ravioli ging, selbst wenn er keinen Dosenöffner zur Hand hätte. Eine Berührung, ein Lächeln, Zuwendung, Austausch – die wahren Kostbarkeiten jenseits der Speisekarte beim Chinesen. Er lernt: die komplexen Aufsätze sind immer in Bewegung; werden neu verhandelt. Das, was er für sicher hielt, ist nur eine Vorstellung von einer Übereinkunft. Die Tür zum Bad steht offen, schlurfen, tapsen; Ikea Pantoffeln, für Family-Mitglieder günstiger, erster Luxus, warmes Wasser, Hände, Gesicht, Achselhöhlen, er läßt das Waschstück schäumen, Ph-neutral, dermatologisch getestet. Zwischen den Beinen – hoffentlich, denkt er, kann ich bald mal wieder duschen. Eigentlich sollte man auch jedes mal. Seide. Zahnseide? Was für eine merkwürdige Benamung. Zweiter Luxus, Wechselstrom, hat nur auf ihn gewartet, in der Dose. Rasierer raspelt, Bruchstücke landen im Waschbecken. Ankleiden. Mittlerweile Cyborg, Teile, die im Krematorium übrig bleiben, obwohl: er möchte gerne seinen Leib der Wissenschaft vermachen; zuerst die Füße, dann die Beine, Rumpf und endlich der Kopf. Caput draconis. Junge Menschen wühlen in seinen Eingeweiden. Irgendwann lässt er sich „Ich war einst so wie Du!“ stechen. Memento mori, bevor du dich im Golfclub anmeldest, Schönling. Soll ich Werbung für Hamburg machen? Lokalkolorit, der große Hamburg-Roman? Hamburg, Gänsemarkt? Tricks, damit der Leser bei der Stange bleibt. Aber kaum passt man mal nicht auf, ist er schon losgelaufen; up, up and away! Die Straße runter, nichts zu suchen war mein Sinn, S-Bahn Monatskarte. Die Stadt rutscht vorbei, drei Stationen, jeden Tag tausende Menschen, der HVV will führerlose S-Bahnen einführen. In Kopenhagen hält der Zug punktgenau. Er taucht ein, Anonymität, keinen kratzt es, Sala fisten. Der Mann kreuzt wie ein Geleitzug durch das wogende, stauende, sich teilende und hinter dem Pharao schließende Rote Meer. Full speed ahead. Die Listen sind abgearbeitet, keine Punkte markieren die Stelle, weiße Flecken, Karte, Amundsen, Cortez, Magellan und er, alle arbeitslos. Tausende Touristen torkeln töricht umher, sehen die Stadt durch Displays. Du schließt den BH, schlüpfst in Schlüpfer. Kaffee, Frühstücksfernsehen, Brötchen mit Käse und Marmelade. Draußen Wiesen und Äcker, Braunvieh, nichts geht über Bärenmarke zum. Ich bin mir sicher, dass es nicht wichtig ist; bist du klein oder groß, dick oder dünn, klug oder dumm? Zum telefonieren reicht es, piep piep, flugs verbindet sich die Luftlinie, er greift in seine Tasche. Du sprichst bedächtig, die weichen Fasern werden mit der Zunge am Gaumen zerdrückt, bis der Saft austritt. Alles ist Ausdruck, Wort, Schilderung – es gibt keine Entsprechung dafür in der sogenannten realen Welt. Er sagt, du sagst, sagen sagt, langsam nähert er sich dem Wasser. Er zahlt, redet weiter, sitzt dem See auf, flüstert, du raunst, die Wellen schlagen leise ans Boot, im Winter Eis, knackend. tempus fugit. Hier ist er erregt, kommt ans Limit. In einer Bunkeranlage probt eine Band. Nichts verbotenes, trotzdem schlechtes Gewissen. Federvieh flaniert vorbei. Du malst in dunklen Farben deine Einsamkeit, der Sendemast dein Pinsel. Die Bergbewohner sind verschlossen, katholisch, cremefarben. Du bäumst, stellst, hältst. Dagegen. Ich sehe unauffällige Business-Kleidung, könnte aber auch eine Jeans sein. Und überraschenderweise einige Alleinerziehende. Viele haben es satt, viele sind dumm, viele haben schlechte Zähne, brausen auf, unterdenken und haben doch. Im hintersten Winkel. Es ist Nacht, er liegt zwischen Pizzakartons und atmet Hopfen und Malz aus, die Preußen kommen nicht. Du versuchst dein Lebenswerk zusammen zu halten. Neutrales Geld macht die Runde, immer wieder hält es bei dir, man muss ja sehen, wo man bleibt. Und irgendwo in der Ferne regnet grundlos. Feuer. Kinder.

58_61.txt

58_61.txt

Nicht mehr hier und da, sondern nur noch jetzt. Grabenkrieg, es regnen die Granaten, Schrapnell schnell schnellend, zerfetzen Mark und Bein. Im Spiegel ein Fremder, nicht in der Lage, andere anzusehen. Jetzt wäre die Saison der niederen Instinkte – beißen, saugen, drücken, schlagen, schieben und durch nichts, zu, auf, spreizen, dehnen – Die Beziehung zum Leben, masochistisch, 10000, zehntausend Stunden, sagt der Taxifahrer, Glück. Ansonsten sorgen, Krankheit, Alter, Tod, Gebrechen. Wir alle, wie von Säure bespritzt, getauft, schon vor Jahren, kurz nach der Geburt, der Priester ein Vorgänger, die Eltern selbstsüchtig, bedeutungsgeil; dabei gab es schon Verhütungsmittel. Wie viel zählt dann die Liebe, das “heile, heile, Gänschen“, Schokoladeneis? Flatulenzweltmeisterschaften. Ergüsse, des sich windenden, schwindenden?, Geistes – Schuldzuweisungen, Selbsthass, selbstgefällig, Selbstmitleid. Orientierung an den Stars, als ob die es besser gewußt hätten. Mit dem Tandem nach Hamburg -denkbar, aber ängstlich – lächerlich, Verlust, Ausgeliefertsein. Martin Heidegger war ein Nazi. Jetzt habe ich es auch einmal geschrieben. Vollkornbrot mit Schinken. Die Gnade der freien Ernährung. Die Gnade der freien Ernährung. Die Gnade der freien Ernährung. Supermarktregalinhaltoverkill. Irgendwo fließt ein Bach, ein Strom, kaltes, klares, Steine mit langen grünen Haaren, Geräusche, Lungenbalsam, Fernigkeit. Weggehen, sich zurückändern, ziehen lassen, Risiken, eingehen. Einhergehend: Konzentration und Bescheidenheit? Wolkenkuckuck. Ich gehe schwanger, mitsamt Morgenübelkeit. Warum suchst du nach Struktur, hörst du nicht die feuernden Neuronen? Konventionenkonzert. Vorfreudentanz á la ugandaise. Im Bauch von Krokodilen sammeln sich abweichende Ideen; später ratloses Erstaunen involvierter Zeitzeugen. Heute nicht anders, gleich bleibend, Konstante. Du ruderst in langen Zügen, die Landschaft fliegt vorbei und du stehst am Ufer, hältst dich an bekannten Pollern fest, während ich im Bett liege und schreibe. Auf den Wellen, große Wildheit, zweite Häute. Strandleben, das Schwert der Rückkehr, Umkehr, schwebt über deinem Kopf – aber der Sonnenuntergang entschädigt noch dafür. Ich liege im Bett und schreibe. Wie gern würde ich in langsamen, ausholend, schlangenartig, biegsamen, getakteten, in deinen feuchten Schoß. Dabei denke ich immer an Salzstangen, achtlos zerdrückt von kleinen Kinderhänden. Doch das ist ich. Ich schlaflose Nächte durch. Du kannst im stehen pinkeln, du auch, du nicht. Weit entfernt, irgendwo in Flandern, kauernd im Schützengraben, Trenchcoat, Armbanduhr, Zeit zum Angriff. Garbengaben. Fiel Feind, fiel er. Inmitten des Geschreis, der Toten im Matsch, der Verwundeten: es erscheint der kleinste gemeinsame Nenner. KgN schreitet übers Feld, alle jubeln ihm zu, wollen ihn berühren, wie eine Hostie, Sakrament, Eucharistie. KgN segnet seine Kinder, die seine Erschaffer sind. KgN tröstet, den Rucksack prall gefüllt mit leeren Versprechungen. Weihnachtswunder.

Irrlichtern

text2speech

47_49.txt

47_49.txt

Die Tage laufen ein, treten aus, gehen ineinander über, Golgatha , nicht ganz so schlimm, aber ein bisschen, Drama Boy reitet, aber dann doch reale Gefahr. Der edle Wilde, Manitu, komm in mein Tipi, falsche Welten, falsche Gefühle. 5 Minuten Fußweg, olympiareif, Olympiastandort Hamburg. Nix geworden. Du schaust mir immer noch über die Schulter, head and shoulders, er hatte schwarzes Haar auf seinem gewaltigen Schädel mit rieselnden Schneeflocken. Frohlocken. Muss mich irgendwo festhalten. Konjunktivisch. Supersamenleiter. Abbruchreife erreicht. Er schaut sich um und kann sein Glück kaum, wenig und eigentlich gar nicht. Wie alle. Der Bauch ist voll. Die Physis bremst, steht auf dem Pedal, es stottert, stockt, rumpelt den Feldweg. Das Weglassen von Verben wird zu einer Masche – das Jahr der bröselnden Salzstange. Die Indifferenz des Gesundheitsbetriebes. Die Fürsorge des Gesundheitsbetriebes. Es regnet, der Geist, die Geister treten auf der Stelle, Kneipp-Kur, Verstand in Bad Ems, schwefliges Wasser trinken müssen und das dann auch noch gut finden. Kann ich den Text später ins Smartphone ( Ich habe nicht Handy geschrieben) diktieren? Arbeitsplätze in Schreibbüros werden vernichtet. Alle 3 Sekunden denken Männer an Sex – diese Statistik habe ich mir jetzt ausgedacht, weil meine Eier so prall sind, denke ich, Paralyse, was fühlt ein Gelähmter? Wird er noch geil – nicht daran denken! Vor der OP nochmal in die Vollen gehen, das einzige Laster, Transportmittel, der Blutdruck steigt und das Herz ist deutlich von außen zu hören. Hörspielfassung. Fass mir ans Glockenspiel! Glockenspiel weggelassen, schlechte Kritik bekommen; die Schlange war auch nicht anwesend. Was würde Chrysostomus dazu sagen? Mit Sicherheit – Türschlösser und Strategien – der Autor muss dahingehen, wo’s wehtut, Schmerzen erzeugt, die Komfortzone verlassen. Drecksmüdigkeit kommt wieder zu Besuch, aber wenigstens vertrage ich die Brille. Frau B ist weiterhin auf der Suche nach sich und auch kilometerweit. Fahren und Lebenszeichen, ehrliche gefakete Bilder, Fotografien, Selfies als Statement. Bald wachsen Flügel aus dem Fahrzeug und auch der Mars muss kolonialisiert werden. 1000, Tausend Kilometer am Tag, irgendwann eine Wettfahrt mit der TransSib, bis nach Jakutsk, Irkutsk oder Novosibirsk. Fähre dann nach Japan. Ob die immer noch Automaten mit getragenen Höschen haben? Blinde Flecken und gemachte Erinnerung (d.h. Erinnerung). Lumen, Candela, der Schreiber sollte sich immer einschließen, seine Familie vernachlässigen (falls vorhanden) und die Einsamkeit, das Alleinsein? aufsuchen, finden, sich darin. Schon wieder schaust du so komisch- ich will dich nicht bekehren, missionieren, umdrehen- I have nothing to sell – aber finanziere mir gefälligst meine Brötchen.

Taktischer Rückzug