Zwischen den Jahren

Gerade, das Hirn wieder einmal kurz vorm Austrocknen, vielleicht liegt es nur an der Heizungsluft, immerhin ist es kalt draußen, dort wo ein sinnvolles Leben möglich zu sein scheint (Hoffnung!), da hänge ich in der Luft. Zwischen zwei Zuständen, kommt nicht häufig bei mir vor – hier ist es arbeitendes Mitglied der Gesellschaft, dort ist es nutzloser Arbeitsloser, der den Bürgern auf der Tasche liegt.

Im Fegefeuer.

Nur ein paar Eingeweihte kennen meinen Status, ansonsten simuliere ich Normalität. Tun, als ob. Anfragen zu Meetings ablehnen, weil es klar ist, daß man ohnehin nicht mehr anwesend. Wo? Im akzeptierten Raum des gemeinsamen Leidens.

Die Inhalte gehen mir am Allerwertesten vorbei, niemand wird mich mehr beurteilen, nichts muß ich wissen, trotzdem sitze ich schreibend und klickend – die Sonne scheint draußen zu scheinen. Warten und den Formalientango tanzen. Schieben und ziehen. Unterschriften fehlen – aber dann! Die anderen aus der Herde dürfen es nicht erfahren, daß man ausschert, den Pfad verlässt, sich davonmacht, in die Ungewissheit, ins Abenteuer – Freiheit?

Womöglich würde es sie aufwühlen, diese kurzzeitige Demonstration der Ersetzbarkeit eines jeden Kollegen, obwohl doch so ein netter Kerl, hat bestimmt was Besseres gefunden. Das über ein paar Tage wäre zu deutlich. Vielleicht auch nicht. Verdrängung. Wird mir schon nichts passieren bis zur Rente. Muh!

Wenn ich noch länger hier so rumsitze, muß ich am Ende doch noch arbeiten.

Immer wieder Sonntags

Die Finger sind immer auf der Suche nach Sinn, aus dem Impuls heraus, das darf doch nicht alles sein, es muß doch irgendwas geben, eine Rettung, eine Lösung, eine Meinung, etwas, daß einem gleichzeitig auch noch Anerkennung spendet, das Herausschälen aus der Kruste der Anonymität, des Nicht-Existierens – natürlich wäre es auch gut für die anderen. Versteht sich.

 

Fand ich gut

Kurzmitteilung

In der Annahme, daß es noch etwas zu retten und deswegen zu sagen gibt, spiegelt sich die Hoffnung des Säufers auf einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einer gutaussehenden Frau, die noch nüchtern und bei Trost ist.

Meine Menükarte

Ihr sucht nach Sicherheit und Sicherheiten, aber soetwas gibt es nicht. Alles was wir in unseren Gesellschaften aufbauen sind Versprechungen auf Sicherheit und letztlich das trügerische Gefühl, sie erreicht zu haben: Versicherungen, Diplome, Versprechen von Institutionen und Berufsständen oder den Regierungen, daß alles in geordneten Bahnen verläuft, daß man geliebt werden kann und daß Verletzung, körperliche Gewalt und schließlich der Tod zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber doch weitgehend steuerbar geworden sind. Eine Störung dieser brüllenden, schreienden, klirrenden Ruhe, ist entweder fehlendem Können, Wissen oder abweichendem Verhalten geschuldet (zu dem auch die Gier gehört, die wir an anderer Stelle bewusst befeuern) und bestätigt eigentlich nur die Regel; aber jeder, der schon einmal einen Kindergeburtstag veranstaltet hat, weiß, daß nicht alles zu kontrollieren ist und daß durchaus Zähne ausgeschlagen, Teppiche vollgekotzt und Gefühle verletzt werden.

Hier gibt’s nur das geistige, bedingungs- und gnadenlose Grundeinkommem: Wir befinden uns in einem Zustand des Nicht-Wissens und unsere Angst ist die Angst vor dem Monster im dunklen Keller, das uns als Kinder pfeiffend gemacht hat. Und durch die Angst vor dieser Angst, verleihen wir anderen Menschen Macht über etwas, daß uns das Liebste ist, das aber nicht existiert: unsere Person.
Und deswegen werdet ihr hier weder Bestätigung, noch Bedeutung, noch Heilung oder Therapie, noch Trost finden, sondern nur die Möglichkeit zu erfahren, was ihr seid.

Altersmilde

Über die Schulter, zwischen den Beinen hindurch, vielleicht auf der anderen Seite, über oder drunter. Durch die Nasenlöcher, mittlerweile wieder frei, geschnauft, keiner hat es wahrgenommen, umher geschaut, nichts als Ruhe. Breit bettet sich der Strom, satt ziehend, die Schlüsse, die Musik will mich nicht verändern, auch nicht zum Guten. Suche die Unrast, alte Freundin – bin doch nicht schwul – alles ist Langsamkeit, endlich, noch nicht am Ende, aber auf dem Weg. Nirgendwo positiv, aber das Gegenteil hat sich auch nicht eingeladen. Der Schokomann angenagt, seine Tage sind gezählt, die Kalorien noch nicht, alles verströmt Sicherheit, die Beleuchtung erwärmt mit energiesparendem LED Licht, Spätheimkehrer – heute nicht. Legt mir die Welt zu Füßen oder wenigstens einen Hund.