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Ihr sucht nach Sicherheit und Sicherheiten, aber soetwas gibt es nicht. Alles was wir in unseren Gesellschaften aufbauen sind Versprechungen auf Sicherheit und letztlich das trügerische Gefühl, sie erreicht zu haben: Versicherungen, Diplome, Versprechen von Institutionen und Berufsständen oder den Regierungen, daß alles in geordneten Bahnen verläuft, daß man geliebt werden kann und daß Verletzung, körperliche Gewalt und schließlich der Tod zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber doch weitgehend steuerbar geworden sind. Eine Störung dieser brüllenden, schreienden, klirrenden Ruhe, ist entweder fehlendem Können, Wissen oder abweichendem Verhalten geschuldet (zu dem auch die Gier gehört, die wir an anderer Stelle bewusst befeuern) und bestätigt eigentlich nur die Regel; aber jeder, der schon einmal einen Kindergeburtstag veranstaltet hat, weiß, daß nicht alles zu kontrollieren ist und daß durchaus Zähne ausgeschlagen, Teppiche vollgekotzt und Gefühle verletzt werden.

Hier gibt’s nur das geistige, bedingungs- und gnadenlose Grundeinkommem: Wir befinden uns in einem Zustand des Nicht-Wissens und unsere Angst ist die Angst vor dem Monster im dunklen Keller, das uns als Kinder pfeiffend gemacht hat. Und durch die Angst vor dieser Angst, verleihen wir anderen Menschen Macht über etwas, daß uns das Liebste ist, das aber nicht existiert: unsere Person.
Und deswegen werdet ihr hier weder Bestätigung, noch Bedeutung, noch Heilung oder Therapie, noch Trost finden, sondern nur die Möglichkeit zu erfahren, was ihr seid.

Etwas Warmes braucht der Mensch

„Sei kreativ und werde dafür geliebt und bezahlt!“

Ich, gerade eben

Mit dieser Prämisse habe ich mich eine unvorstellbar lange Zeit beschäftigt und versucht daraus Konsequenzen zu ziehen, Anstrengungen zu unternehmen, bis hin zu kläglichen Ansätzen ‚Self-marketing‘ zu betreiben, meine Marke aufzubauen, der MT Klein zu sein, der ich immer sein wollte. Eine Stellung als erfolgreicher Künstler schien mir erstrebenswert; Einfluß gepaart mit Understatement, großzügiger Wohlstand, Liebling des Kulturbetriebes, Vorbild der Jugend. Bloß nicht sein Leben mit normaler Erwerbsarbeit und Pflichterfüllung verschwenden – diese ganzen schönen Talente sollen gehegt und gepflegt werden, das Licht nicht unter den Scheffel, das Leben eine gerade Schnur der positiven Entwicklung.  Bis neulich, als ich wieder einmal an dem Versuch scheiterte etwas zuende bringen zu wollen, diesmal einen langen Text.

Ob des unvollendeten Werkes, zumal diesmal der heilige Schwur bestand es zuende zu bringen, überkamen mich Gedanken der Unfähigkeit. Ein neuer Versuch mußte her, die Schwierigkeiten sollten überwunden, der Fluß aus Haferbrei durchfressen und das gelobte Schlaraffenland doch noch erreicht werden. So sagte ich es jedenfalls meinem Gesprächspartner beim Ginger-Ale trinken. Doch dieser entgegnete und brachte mir eine neue Sichtweise näher: ich sollte weniger arbeiten, mehr spielen – das käme meiner Natur näher. „Du bist ein Spieler.“

Herrje, ein Schuldenmacher? Jettonsüchtig? Smoking, gelöste Fliege und von Gorillas vor die Türe des Etablisements geleitet. Auf Nimmerwiedersehen.

Natürlich war das nicht gemeint – gemeint vielmehr war das lose Beschäftigen mit den Dingen im Rahmen einer lebenserhaltenden Verhaltensweise (no living under the bridge without Krakenversicherung). Mal Text, mal Kasterl gekaspert vulgo Comics / Cartoons, aufgreifen, fühlen, riechen, schmecken und dann wieder loslassen können. In den Spiegel sehen und nicht das Unvollständige sehen, daß es zu verbessern gilt, sondern den Hansel akzeptieren und Wert schätzen, der einen anblickt. Da ist nichts, was eines Fortschrittes bedarf, etwas, daß erreicht werden muß. Ich kann. Wenn ich gerade will.

Wo bleibt da die angenehm wärmende Sicherheit einer geschlossenen Selbstwahrnehmung? Die Definition der Person über die Tätigkeit? Futschikato (ja, ist ein Wort, steht im Duden 🙂 ).

Insofern bin ich nicht mehr ganz so geknickt ob des auf Halde liegenden Comic-Interviews, sondern schreibe lieber diesen Text, auf das es jemandem nütze, der vielleicht auch gerade in den Spiegel sieht und sich als ungenügend (6!) betrachtet.

Ein Eichhörnchen sehend

mtk

Bartschatten

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