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Freundschaft 

In aller Freundschaft, bei aller Liebe, zahlen wir getrennt oder wollen wir zusammen liegen? Beinahe beieinander. Aber dann doch dieses falsche Wort. Was will man eigentlich wirklich voneinander? Bestätigung? Anregung zur Aufregung?

Manch einer wähnt sich unter Freunden, Nichtangriffspack. Selbst mit Wohlwollen, Bereitschaft die Laute zu deuten, bleibt kein Inhalt über. Es bleibt beim Händchenhalten. Wenn es gut läuft.

Meist ist man dann doch nur Vergangenheitserinnerungsstarthilfe. Illusionen über Geisteszustände, Vergesslichkeit in Bezug auf Nichtiges. Ohne Alkohol nicht zu ertragen.

Warum schweigt man einfach nicht gepflegt drei Stunden lang?

AllesAufAnfang.txt

Die Hemmung endlich zu schreiben, als wären dort immerzu Augen, über die Schulter, in die Karten. Der große Seelenwunsch, hervorgespült zu werden, den Zufall zu beugen und bescheiden, aber innerlich brennend, Erwähnung zu finden, herausgehoben, ausgestellt, mit Geld überschüttet, in Gold aufgewogen: „Ich danke der Jury, meiner Familie, dem Hund und meiner rechten Hand, ohne die ich niemals.“ Da sind Bücher, Anleitungen, unruhige Blicke auf die Regale, unters Kinn, zur Kasse, kaufen oder kostenpflichtig bestellen. Ratgeber, wie es zu laufen hat. Der Klassiker „wie werde ich Millionär?“, übers Internet, 30€. Die Gedanken rauschen, ich bin doch ein menschliches Wesen, von Gott gewollt, wenn man an einen solchen Schmarrn glauben möchte, mit Bedacht ins Weltall geschissen, aber wahrscheinlich ein heiliger Unfall, Zufall. Und dann das Strampeln mit den vergänglichen Beinchen, jedoch auch immer wieder der Gedanke zum Gedanken, Meta, sich selber aufs Haupt spucken und zurück auf. Anfang. Die Kategorien, die Sprache, die Erde – sprengen, zerstreuen, auseinanderfinden und zusammentrennen. Und dann kommt die Stille, das Schlafen, die Beruhigung, nach dem Anfall, dem neuronalen Gewitter, der Überlast. Schnell den Fernseher befragen und in die Zukunft schauen, eine von vielen Realitäten – und denen, die Übelkeit empfinden, bleibt nur die schnöde, gebrauchte und abgenutzte Realität. Aber einer muss sich auch darum kümmern die Menschen zu versorgen. Es muss Ihnen der Popo abgewischt werden. Sie müssen gewendet werden, damit kein Dekubitus entsteht. Dafür hat man nach Feierabend den Badesee ganz für sich alleine. Es stellt sich Zufriedenheit ein. Das Nachtmahl duftet verführerisch. Aber ist es auch genug, ausreichend, zufriedenstellend?

Konjunktivland.txt

Leben im Konjunktivland. Da sein in der Möglichkeitsform, ohne jemals anzukommen, dafür die Zukunft so schön. Die Zukunft ist wunderbar, die Technik wird über alle Unzulänglichkeiten siegen, sie hat das Potenzial, seht euch doch mal nur das Internet an, jedoch: statt Hilfe nur Featureritits – schöner freudscher Vertipper, auch treffend. Die Handys könnten uns das Leben retten, aber leider sind sie so schnell veraltet, daß man sich nicht mit ihnen befreunden kann. Der Glaube an die Zukunft ist somit ein irriger – niemand kann darauf hoffen von Geräten erhört zu werden, die ihrerseits nur auf Befehle warten. So funktioniert Liebe nicht. Das sollte die Stunde unserer Generation sein. Die Menschen, die noch jung genug sind, daß sie die Faszination der Gadgets begreifen, aber alt genug, um die analoge Welt und ihre Benutzung noch mit eigenen Augen gesehen zu haben. Lasst uns uns einen Namen geben, fortan wollen wir die Analogisierer sein. Wir nehmen euch eure Spielzeuge weg, damit ihr erkennt, was man mit Leben meint. Und dann geben wir sie euch wieder und verlangen unseren gerechten Lohn dafür. Tagessatz plus Spesen. Und auf einmal wird deutlich, wie man wirklich große Dinge bewirken und erschaffen kann: durch Beschränkung. Doch predigen Sie mal einem Abhängigen! Der wird behaupten, daß er alles unter Kontrolle hat und ihre Dienste nicht benötigt, weil er sich schon selber darum kümmert. Und hier ist der harte Weg des Verzichts auch der unattraktive, denn: mit dem Gerät in der Hand und dem Auge auf dem Display fühlt sich Greti und Pleti als Teil der Gemeinschaft und durch das Wischen und Tippen als einen aktiven. Das Knöpfchendrücken und Verschieben von Icons, die Neugestaltung des Desktops, all dies sind Handlungen, die uns das beruhigende Gefühl geben, daß wir alles unter Kontrolle haben. Und dieses schöne Gefühl wollen wir doch nicht verlieren, besonders nicht angesichts der Weltlage, ausgelöste durch Menschen, die keine virtuellen Knöpfe drücken, sondern reale Türklinken und Hände. Der Putin steuert mittels Sprache seine Mitarbeiter und nicht sein Handy. Denn aus einem Werkzeug kommt nur soviel raus, wie du reinsteckst. Alles andere ist Ablenkung. Und so träumen wir offenen Auges davon, endlich wach zu werden. Einen Albtraum.