Damals zu Neujahr

Durch ein dunkles Universum, irgendwo in einem trostlosen Sonnensystem fliegt ein Planet im Verbund mit ein paar Anderen herum, kreist um eine Sonne und hat einen kleinen grauen Mond im Schlepptau, der sowohl das sich auf dem Planeten befindliche Wasser, als auch die Laune so manch eines seiner Einwohner beeinflusst. Von außen betrachtet scheint es sich um eine ruhige, blaue Kugel zu handeln, auf welcher ebensolche geschoben wird. Doch die extraterrestrische Ruhe trügt. Alles auf ihm unterliegt einem Prinzip, welches die von den Affen abstammenden Bewohner als Evolution bezeichnen, was wiederum dazu führt, dass nichts von großer Dauer und alles permanent in Entwicklung ist. Tiere, die heutzutage fett und verstümmelt in Städten anzutreffen sind und die von den genervten Stadtaffen als fliegende Ratten bezeichnet werden, hatten vor nicht allzu langer Zeit weder Gefieder noch den Hang zum Brotkrumen aufpicken; dafür waren sie klauenbewehrt und um einiges größer und jederzeit auf der Lauer nach Beutefleisch. Harmlose Viren verändern sich zu todbringenden Krankheitsauslösern und zarte Pflänzlein mutieren zu Überlebenskünstlern mit spitzen Nadeln und der Fähigkeit jede Menge Wasser in sich zu speichern.

In dieser sehr flexiblen Umgebung sitze ich mal wieder herum, lasse meinen übergewichtigen Leib auf ca. 180 Stundenkilometer beschleunigen (zahle dafür nur 75% des regulären Tarifes), denke an alles und nichts und lasse dabei den Fingern mittels Tastatur ihren Tastschreibtrieb ausleben. Und tatsächlich habe ich mal einen dieser neugestalteten Züge erwischt, die wirklich eine Steckdose an jedem Platz bereithalten. Das freut den doch stark ausgelaugten Akku.

Es ist der erste Tag des neuen Jahres. Natürlich ist dieser Zeitpunkt komplett künstlich und erdacht und es könnte auch der 987zigste Tag des großen Glubberwutsch Kalenders sein, aber dort, wo ich herkomme, da hat man sich auf ein System geeinigt, welches diesen Zeitpunkt als den 1. Januar 2013 bezeichnet. Neujahr. Und nicht nur im All herrscht Dunkelheit, sondern zur Zeit auch hier, denn wir befinden gerade auf der Seite, die nicht von der oben erwähnten Sonne angestrahlt wird.

Fand ich gut

Kurzmitteilung

In der Annahme, daß es noch etwas zu retten und deswegen zu sagen gibt, spiegelt sich die Hoffnung des Säufers auf einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einer gutaussehenden Frau, die noch nüchtern und bei Trost ist.

Meine Menükarte

Ihr sucht nach Sicherheit und Sicherheiten, aber soetwas gibt es nicht. Alles was wir in unseren Gesellschaften aufbauen sind Versprechungen auf Sicherheit und letztlich das trügerische Gefühl, sie erreicht zu haben: Versicherungen, Diplome, Versprechen von Institutionen und Berufsständen oder den Regierungen, daß alles in geordneten Bahnen verläuft, daß man geliebt werden kann und daß Verletzung, körperliche Gewalt und schließlich der Tod zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber doch weitgehend steuerbar geworden sind. Eine Störung dieser brüllenden, schreienden, klirrenden Ruhe, ist entweder fehlendem Können, Wissen oder abweichendem Verhalten geschuldet (zu dem auch die Gier gehört, die wir an anderer Stelle bewusst befeuern) und bestätigt eigentlich nur die Regel; aber jeder, der schon einmal einen Kindergeburtstag veranstaltet hat, weiß, daß nicht alles zu kontrollieren ist und daß durchaus Zähne ausgeschlagen, Teppiche vollgekotzt und Gefühle verletzt werden.

Hier gibt’s nur das geistige, bedingungs- und gnadenlose Grundeinkommem: Wir befinden uns in einem Zustand des Nicht-Wissens und unsere Angst ist die Angst vor dem Monster im dunklen Keller, das uns als Kinder pfeiffend gemacht hat. Und durch die Angst vor dieser Angst, verleihen wir anderen Menschen Macht über etwas, daß uns das Liebste ist, das aber nicht existiert: unsere Person.
Und deswegen werdet ihr hier weder Bestätigung, noch Bedeutung, noch Heilung oder Therapie, noch Trost finden, sondern nur die Möglichkeit zu erfahren, was ihr seid.